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Factoring

22. April 2021 | Bank- und Kapitalmarktrecht
So manche Betroffene werden sich über die Post, die in ihrem Briefkasten gelandet ist, schon verwundert die Augen gerieben haben. Sie sollen uralte Rechnungen bezahlen. Dass sie sich an diese offenen Forderungen oft überhaupt nicht erinnern können, ist nicht weiter erstaunlich. Denn es sind nicht ihre offenen Rechnungen, die sie nicht bezahlt haben – sie haben die Schulden von einem verstorbenen
Benjamin Hasan

Als Aufsichtsrat, Manager und erfahrener Prozessanwalt ist Rechtsanwalt Benjamin Hasan versierter und...

So manche Betroffene werden sich über die Post, die in ihrem Briefkasten gelandet ist, schon verwundert die Augen gerieben haben. Sie sollen uralte Rechnungen bezahlen. Dass sie sich an diese offenen Forderungen oft überhaupt nicht erinnern können, ist nicht weiter erstaunlich. Denn es sind nicht ihre offenen Rechnungen, die sie nicht bezahlt haben – sie haben die Schulden von einem verstorbenen Verwandten geerbt. Das behauptet zumindest der Absender und verlangt die Begleichung der Forderungen, die durch Zinsen und andere Kosten förmlich explodieren können. Die Post kommt nicht vom ursprünglichen Gläubiger, z.B. einer Bank, sondern von einem Rechtsanwalt.

Rechtsanwalt Benjamin Hasan rät Betroffenen zur Vorsicht: „Die Forderungen sind oft völlig überzogen und sollten genau geprüft werden.“  Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Frankfurt hält das Vorgehen einiger Forderungseintreiber zumindest für unseriös und in einigen Fällen auch für betrügerisch.

Zunächst vorweg: Erben treten die Rechtsnachfolge des Erblassers an, wenn sie das Erbe nicht ausschlagen. Ihnen fällt nicht nur das Guthaben des Erblassers zu, sondern auch seine Verbindlichkeiten. Gläubiger können daher die Begleichung offener Rechnungen vom Erben verlangen.

Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass offene Forderungen an Dritte abgetreten werden. Neben Inkasso-Büros können auch Rechtsanwälte dieses Factoring betreiben. Sie kaufen den Gläubigern die Forderungen ab und versuchen das Geld bei den Schuldnern einzutreiben.

„Dagegen ist nichts einzuwenden, doch wie in jeder Branche gibt es auch hier schwarze Schafe“, so Rechtsanwalt Hasan.

Der „Tagesspiegel“ berichtete bereits im Mai 2019 über dubiose Geschäfte bei der Eintreibung von uralten Forderungen. Der Rechtsanwalt Ralf Heyl soll dem Bericht zu Folge hohe Forderungen für Schulden stellen, die die Verbraucher offenbar nie gemacht haben, z.B. für Kontoüberziehungen bei der Postbank. Auch für die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist der Anwalt kein Unbekannter. Es habe schon häufiger Beschwerden der Verbraucher über Rechtsanwalt Heyl gegeben, heißt es in dem Bericht.

 

Eine Mandantin von Rechtsanwalt Hasan sieht sich ebenfalls mit überhöhten Forderungen durch Rechtsanwalt Heyl konfrontiert. Rechtsanwalt Hasan rät bei solchen Forderungen Ruhe zu bewahren und zu prüfen, ob die Forderungen überhaupt berechtigt sind. Oft wurden die Forderungen auch schon beglichen oder sind verjährt. „Unberechtigte Forderungen müssen natürlich nicht bezahlt werden. Kann man die Forderungen nicht nachvollziehen, sollte man ihnen widersprechen und eine genaue Aufstellung fordern, woraus sich die Forderungen ergeben“, so Rechtsanwalt Hasan.

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