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Sachwerte neben Gold und Immobilien: Wie sich Sammlerstücke und Kunst ins Portfolio einfügen

26. Mai 2026

Nicht jeder Gegenstand, der Materialwert hat, eignet sich als Kapitalanlage. Wichtig sind drei Grundkriterien: Knappheit, Nachfrage und Nachprüfbarkeit der Echtheit.

Kunst aus Afrika

Wer sein Kapital schützen will, denkt zuerst an Gold oder Silber oder an Immobilien. Diese klassischen Sachwerte haben sich über Jahre bewährt, sie teilen aber eine Eigenschaft, die den Anleger unter Druck setzen kann: hohe Einstiegskosten und enge Bindung an makroökonomische Zyklen. Alternative Sachwerte wie Kunstobjekte, ethnografische Sammlerstücke oder Skulpturen rücken deshalb mehr in den Fokus, nicht statt sondern zusätzlich zu bestehenden Portfolios.

Was macht einen Sachwert zum Anlageobjekt?

Nicht jeder Gegenstand, der Materialwert hat, eignet sich als Kapitalanlage. Wichtig sind drei Grundkriterien: Knappheit, Nachfrage und Nachprüfbarkeit der Echtheit. Bei Kunstobjekten und Sammlerstücken steht noch ein vierter Faktor zur Debatte: der kulturelle oder historische Kontext.

Afrikanische Skulpturen bilden zunehmend auch in der Kunstwelt eine eigene Bewertungskategorie. Das Auktionshaus Christie's registrierte in den vergangenen zehn Jahren einen starken Trend zu afrikanischer Primitivkunst, insbesondere in den Preissegmenten unter 50.000 Euro, die für Privatanleger erschlossen sind. Ein wichtiges Kriterium bei der Preisbildung ist die Provenienz, die lückenlose, nachvollziehbare Herkunft eines Objektes. Fehlt dieser Nachweis, sinkt der Marktwert und die Handelsfähigkeit eines Stücks erheblich. Wer eine Skulptur Wohnzimmer kauft, sollte sich also Herkunftszertifikate und Echtheitsnachweise vorlegen lassen und die Beziehungen zum Kunsthandel überprüfen, bevor er zuschlägt.

Diversifikation durch nicht korrelierte Assets

Nichtkorrelation ist das Schlüsselwort jeder Diversifikationsstrategie. Korrelationskoeffizienten von -1 bis +1 beschreiben, wie stark sich zwei Anlageklassen gemeinsam bewegen. Gold weist zur Zeitreihe des S&P 500 eine leicht negative Korrelation auf. Kunstobjekte zeigen, wie Analysen des Art Market Research Institute belegen, ebenfalls eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihemärkten. Sie sind somit für Anleger interessant, die ihr Risiko breiter streuen möchten.

Denn in einem Punkt unterscheiden sich Kunstobjekte erheblich von Rohstoffen oder Wertpapieren: Sie sind bedeutend illiquider. Wer Gold besitzt, lässt sich dieses in der Regel innerhalb von Stunden verkaufen. Bei einem hochwertigen Kunstobjekt braucht es den passenden Käufer, den richtigen Zeitpunkt und auch meist den passenden Marktplatz. Sorgsame Liquiditätsplanung ist daher beim Einsatz solcher Assets ein Muss. Kunstobjekte sollten, als Faustregel gesagt, nie mehr als 5 bis 10 Prozent des Gesamtportfolios ausmachen.

Werttreiber bei afrikanischen Skulpturen und Ethnografika

Afrikanische Skulpturen zählen zur sogenannten Tribal Art. Dieses Teilsegment des Kunstmarktes erzielt laut Art Basel & UBS Global Art Market Report 2023 jährlich weltweit etwa 67,8 Milliarden US-Dollar Umsatz. Im Rahmen dieses Marktes sind mehrere Faktoren für die Wertentwicklung entscheidend:

Alter und Gebrauchsspuren. Authentische gebrauchte Stücke aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhunderts höhere Preise als neuere Reproduktionen. Die sogenannte Patina, die natürliche Alterung des Materials, zählt zu den anerkannten Echtheitsmerkmalen.
Material und Technik. Handgeschnitzte Holzskulpturen aus West- oder Zentralafrika aus Hartholzarten wie Ebenholz oder Wengé sind höher eingestuft als maschinell produzierte Pendants. Preisfindung und Wertbildung orientieren sich an der Qualität der Schnitzarbeit und der Seltenheit des verwendeten Holzes.

Kulturelle Zuordnung. Der Sammler und das Museum werden für Skulpturen, die einer bekannten Kunsttradition, etwa den Yoruba-, Fang- oder Makonde-Skulpturen, zugeordnet werden können, sehr viel mehr Interesse zeigen als für anonym und undatiert zugeschriebene Stücke.

Restaurierungszustand. Überarbeitete oder stark restaurierte Stücke verlieren in Fachkreisen stark an Wert, sofern die Restaurierung nicht lückenlos dokumentiert und nach anerkannten Konservierungsstandards durchgeführt worden ist.

Steuern und rechtliche Rahmenbedingungen

In Deutschland unterliegen die Gewinne aus dem Verkauf von Kunstobjekten der Einkommensteuer, wenn sie innerhalb eines Jahres nach dem Erwerb realisiert werden. Nach Ablauf dieser Spekulationsfrist sind die Veräußerungsgewinne für Privatpersonen steuerfrei, es sei denn, es liegt ein gewerblicher Handel vor. Die rechtliche Grundlage bildet § 23 Einkommensteuergesetz (EStG).

Beachtet werden sollte das seit 2016 geltende Kulturgutschutzgesetz (KGSG), das die Einfuhr und den Handel mit Kulturgütern aus Drittstaaten regelt. Wer afrikanische Skulpturen kauft, muss darauf achten, dass ihm die Nachweise über die legale Ausfuhr aus dem Ursprungsland vorgelegt werden. Fehlen diese, drohen ihm rechtliche Folgen bis hin zur Beschlagnahmung des Objektes durch die Behörde.

Wer bei seinen Überlegungen zu Sammlerstücken auch an deren Beimischung zum eigenen Vermögensportfolio denkt, sollte frühzeitig einen Steuerberater und bei größeren Investitionen einen auf Kunstrecht spezialisierten Anwalt hinzuziehen. Eine Kombination aus steuerlicher Effizienz, rechtlicher Sicherheit und Marktwissen bildet die Basis für eine tragfähige Strategie im Bereich alternativer Sachwerte.