Der Wohnmobil-Abgasskandal betrifft Motoren von Fiat, Iveco, Volkswagen und Mercedes - Im Grundsatz geht es um die unzulässige Verwendung von Abschaltvorrichtungen, die vornehmlich auf dem Prüfstand für gesetzeskonforme Emissionen sorgen. Im Alltagsbetrieb werden die Grenzwerte insbesondere in Bezug auf NOx deutlich überschritten.
Der Wohnmobil-Abgasskandal - die Fakten
Es gibt bereits diverse Urteile gegen Fiat/Stellantis, Volkswagen und Mercedes. Betroffen davon sind zum einen Wohnmobile, die auf Basis eines Fiat-Ducato oder IVECO Daily als Kastenwagen, bzw. teil- oder vollintegriert zum Wohnmobil ausgebaut wurden, zum anderen Wohnmobile, die mit Motoren von VW oder Mercedes ausgerüstet sind wie Fahrzeuge der VW California-Reihen oder Mercedes Marco Polo-Ausführungen. Schadenersatz kann gegen Händler, Hersteller und Umrüster durchgesetzt werden. Neben dem Gewährleistungsrecht geht es um Schadenersatz gemäß der Rechtsnorm §826 (BGB) sowie um den sogenannten "Kleinen Schadenersatz"
Abgasskandal erfasst Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato
Der Abgasskandal hat auch Wohnmobile erfasst. Besonders betroffen sind Camper, die auf einem Fiat Ducato oder Iveco Daily basieren. Nach Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und auch des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) überschreiten sowohl Modelle mit der Abgasnorm Euro 5 als auch mit der Abgasnorm Euro 6 den gesetzlichen Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß zum Teil deutlich.
Der Verdacht, dass auch Fiat Chrysler Automobiles (FCA) in den Abgasskandal verwickelt ist, besteht schon länger. Erhärtet wurde er auch durch eine Razzia der Staatsanwaltschaft Frankfurt im Sommer 2020. Die Ermittler durchsuchten die Geschäftsräume aufgrund des Verdachts unzulässiger Abschalteinrichtungen bei Fahrzeugen der Marken Fiat, Alfa Romeo, Jeep und Iveco mit der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6. In den Fokus sind dabei auch Wohnmobile geraten, die einen Fiat Ducato oder Iveco Daily als Basis nutzen.
Ein Rückruf des Kraftfahrt-Bundesamts für Wohnmobile liegt noch nicht vor, aber die Behörde macht international Druck, dass gegen Fiat wegen der unzulässigen Abschalteinrichtungen vorgegangen wird. Ein Rückruf des KBA kann nicht mehr ausgeschlossen werden.
Auch ohne amtlichen Rückruf können Besitzer eines Wohnmobils auf Basis eines Fiat Ducato Schadenersatzansprüche geltend machen. Erste Urteile gegen Fiat (inzwischen zur Stellantis-Gruppe gehörend) liegen bereits vor.
Schadenersatz bei Mercedes Marco Polo – OLG Köln 7 U 35/20
Daimler steckt tief im Abgasskandal und musste auf Anordnung des KBA zahlreiche Mercedes-Modelle zurückrufen. Auch wenn Daimler den Einsatz unzulässiger Abschalteinrichtungen weiter vehement bestreitet, sehen die Gerichte dies zunehmend anders und verurteilen Daimler zu Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung.
Davon ist auch das Wohnmobil Mercedes Marco Polo nicht verschont geblieben. Das OLG Köln sprach einem Käufer des Campers mit dem Dieselmotor des Typs OM 651 und der Abgasnorm Euro 6 mit Urteil vom 5. November 2020 Schadenersatz zu (Az.: 7 U 35/20).


Schadenersatz bei VW T5 und T6
Der „Bulli“ spielte im VW-Dieselskandal lange eine Sonderrolle. Unverständlich blieb, warum ausgerechnet der VW T5 mit dem Dieselmotor nicht zurückgerufen wurde. Inzwischen haben aber auch hier Gerichte entschieden, dass eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und VW Schadenersatz leisten muss. Entsprechende Urteile liegen auch für das Nachfolgemodell VW T6 vor.
Fiat im Wohnmobil-Abgasskandal vom LG Mannheim zu Schadenersatz verurteilt
Im Wohnmobil-Abgasskandal ist Fiat vom Landgericht Mannheim zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass im Wohnmobil des Typs Dethleffs Advantage, das auch einem Fiat Ducato basiert, eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Fiat wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung Schadenersatz leisten muss.
LG Berlin: Fiat muss im Wohnmobil-Abgasskandal Schadenersatz leisten
Fiat ist im Wohnmobil-Abgasskandal ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Berlin entschied mit Urteil vom 10. Januar 2023, dass in einem Wohnmobil des Typs Hymer Exsis-t 414, das auf einem Fiat Ducato basiert, eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und Fiat als Hersteller des Motors zu Schadenersatz verpflichtet ist (Az. 26 O 131/22).
Wohnmobil-Abgasskandal – LG Leipzig verurteilt Fiat zu Schadenersatz
Fiat muss im Wohnmobil-Abgasskandal Schadenersatz leisten. Das hat das Landgericht Leipzig mit Urteil vom 21. Dezember 2022 entschieden (Az.: 09 O 498/22). In dem Verfahren ging es um ein Capron-Wohnmobil mit einem Fiat Ducato als Basisfahrzeug. Das LG Leipzig kam zu der Überzeugung, dass Fiat eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet hat und deshalb Schadenersatz leisten muss.
Wohnmobil-Abgasskandal - Fiat muss Schadenersatz leisten
Auch wenn das Wohnmobil bereits weiterverkauft wurde, können im Abgasskandal immer noch Schadenersatzansprüche durchgesetzt werden. Das zeigt ein Urteil des Landgerichts München vom 15. Dezember 2022 (Az.: 13 O 3213/21). In dem Verfahren ging es um ein Wohnmobil der Marke Knaus, das auf einem Fiat Ducato basiert. Da in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut sei, müsse Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß § 826 BGB leisten, entschied das Gericht.
Fiat im Wohnmobil-Abgasskandal verurteilt
Fiat Chrysler Automobiles (FCA) ist im Wohnmobil-Abgasskandal ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht München kam mit Urteil vom 15. Dezember 2022 zur Überzeugung, dass Fiat eine unzulässige Anschalteinrichtung verwendet hat und zu Schadenersatz verpflichtet ist (Az.: 13 O 3212/21).
Wohnmobil Abgasskandal - Fiat am OLG Koblenz unter Druck
Fiat steht im Wohnmobil-Abgasskandal vor einer weiteren Niederlage vor einem Oberlandesgericht. Mit Hinweisbeschluss vom 14. November 2022 machte das OLG Koblenz deutlich, dass es der Auffassung ist, dass Fiat unzulässige Abschalteinrichtungen verwendet hat (Az.: U 5 1334/22).
Wohnmobil Abgasskandal - Deutsche Umwelthilfe klagt gegen KBA
Im Wohnmobil-Abgasskandal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Klage gegen das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Verwaltungsgericht Schleswig eingereicht. Wie die DUH Ende November mitteilte, wirft sie der Behörde Untätigkeit bei der Überwachung des Abgasverhaltens von Wohnmobilen vor.
Wohnmobil Abgasskandal - LG Stuttgart verurteilt Fiat zu Schadenersatz
Das Landgericht Stuttgart hat Fiat Chrysler Automobiles (FCA) im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato zu Schadenersatz verurteilt. Mit Urteil vom 11. August 2022 entschied das Gericht, dass FCA dem Käufer eines Hymer-Wohnmobils Schadenersatz leisten muss, weil in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut sei und der Käufer dadurch vorsätzlich sittenwidrig geschädigt wurde (Az.: 30 O 18/22).
Wohnmobil Abgasskandal - LG Köln verurteilt Fiat Chrysler
Fiat Chrysler Automobiles (FCA) hat im Wohnmobil-Abgasskandal eine weitere Niederlage kassiert. Das Landgericht Köln entschied mit Urteil vom 12. August 2022, dass Fiat bei einem Wohnmobil von Carthago des Typs Malibu Van 640 LE, das auf einem Fiat Ducato aufbaut, Schadenersatz leisten muss (Az.: 10 O 30/21). In dem Wohnmobil kommt nach Überzeugung des Landgerichts Köln eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz und der Kläger habe gemäß § 826 BGB Anspruch auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung.
OLG München Wohnmobil Abgasskandal - Fiat vor Verurteilung
Im Wohnmobil-Abgasskandal deutet sich ein wichtiger Erfolg für die geschädigten Verbraucher an. Das OLG München hat in einer Verfügung vom 3. August 2022 darauf hingewiesen, dass es davon ausgeht, dass in einem Wohnmobil auf Basis eines Fiat Ducato eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Fiat Chrysler Automobiles (FCA) als Motorenhersteller sittenwidrig gehandelt hat (Az.: 36 U 3000/22). „Das bedeutet, dass die geschädigten Käufer Anspruch auf Schadenersatz wegen sittenwidriger Schädigung hätten“, sagt Rechtsanwalt Marcel Seifert, BRÜLMANN Rechtsanwälte.